Porträt Arthur Heilmann

01.01.1999

Neujahr/Neubeginn

von Arthur Heilmann

Die Sonntagspredigt vom 1. Januar 1999

Arthur Heilmann (Theologe):

    Ich weiß es nicht
     
          Ich habe mich oft gefragt und keine Antwort gefunden,
          woher das Sanfte und das Gute kommt,
          weiß es auch heute nicht und muß nun gehn
          (Gottfried Benn)

          Es wird sich zeigen
          (Ludwig Wittgenstein)
           
           

    Liebe Freunde,

    Das alte Jahr geht und wir haben einiges erlebt. Nicht das was wir wollten. Leider. Genau das was wir wollten. Natürlich. Mehr als wir uns jemals erträumten. Erstaunlich. Das war unser Jahr.
    Wir sehen es an wie eine Retrospektive im Fernsehen. Und wir fragen uns. Wie haben wir es gemacht? Was taten wir um dieses oder jenes zu erreichen? Wir wollten Gutes tun und gut sein. Wirklich gut. In der Interaktion mit Menschen. Im Diskurs mit uns selbst. Im sinnlichen Wahrnehmen und Handeln. Wir hatten es in der Hand das Gute zu tun und gut zu sein. So wie wir es immer haben wenn wir uns die Wahl geben. Wenn. Und wenn da nicht die anderen wären. Ja. Die anderen sind eben da. Das ist Tatsache. Sie setzen Grenzen. Unserem Gutsein z.B. Oder sie lieben uns. Unserem Gutsein zum Trotz. Oder aber. Sie tun unvorhergesehene Dinge und handeln ganz anders als wir denken. Irgendwie uneinschätzbar. Diese anderen. Unser Gutsein war doch programmiert. Wir haben uns sozusagen geeicht auf das Gutsein. Und dann die Überraschung. Was auch immer wir hineinwarfen in diese Universen der anderen, es kam etwas anderes zurück als wir dachten. So war es. So ist es.
    Wir sagen Nein zu einem Menschen, einem Job, einer Sache und erwarten zumindest Widerstand oder Härte. Stattdessen stellen wir fest. Dieser Mensch fühlt sich ja wohl ohne uns. Wohler als mit uns. Dieser Job wird ja besser von einem anderen ausgefüllt als von uns. Unerwartet. Wir sagen Ja zu einem Menschen. Und dieser empfängt uns mit offenen Armen. Verwunderlich. Wir sagen Ja zu einem Streit. Und dieser Streit führt zu Wahrheit und Vertrauen. Unvorhergesehen. Das konnten wir nicht wissen. Das wissen wir einfach nicht. Was Menschen anbelangt. Was die Dinge des Lebens anbelangt. Wir handeln und etwas geschieht. Das ist Dynamik.
    Entscheidend ist unser Tun. Nicht das Erwägen und Abwägen des Tuns. Sondern das tatsächliche konkrete Tun. Wir werfen einen Ball ins Spielfeld. Jetzt geht's erst richtig los. Das ist Mut. Wir werfen den Ball. Dann passiert etwas. Was es ist wissen wir nicht. Wer wird den Ball auffangen? Wer wird ihn zurückwerfen? Wird er überhaupt bemerkt? Wird er jemals dort ankommen wo wir es wollten? Das ist Unsicherheit. Das ist Mut zum Risiko. Das ist der Mut zur Verletzlichkeit. Unser Lebensmut. Die Sicherheit liegt im Tun. Nicht im Ergebnis. Das Spiel das wir in jedem Fall gewinnen weil wir den anderen einbeziehen. Weil wir den Mut haben den anderen ES tun zu lassen. Mit uns. Wir wissen nicht was in dieser Zusammenarbeit geschieht. Welche Regeln dieses Spiel hat. Es ist dynamisch. Es ist lebendig. Und wie geht es aus? Es wird sich zeigen.