Porträt Gertrud Steimel

15.06.2003

Menschheit

von Gertrud Steimel

Die Sonntagspredigt vom 15. Juni 2003

Gertrud Steimel (ehem. Pfarrerin):

    Menschheit
     
    Liebe Freunde,

    war eine kleine Information am Rande, die mich nachdenklich gemacht hat. In Äthiopien wurde nun der älteste Vorfahre der Menschen gefunden. 160 Tausend Jahre alt.

    Ich habe darauf in etwa die Generationen ausgerechnet, es dürften etwa 9.000 Generationen sein, während der die Menschheit Zeit hatte, sich vom Urmenschen zum heutigen Menschen zu entwickeln.

    Etwa 3-4 Generationen von diesen leben heute noch, sprich, die Menschheit ist vielleicht 2500 Mal so alt, wie wir in unserem Lebensumfeld beobachten können.

    Bevor ich mir das vergegenwärtigte, hatte ich das Gefühl, dass es eine Ewigkeit wäre, die Geschichte der Menschheit. Nun kommt es mir durchaus kurz vor.

    Aus einer anderen Veröffentlichung entnahm ich, dass von allen Menschen, die jemals gelebt haben, erst die Hälfte gestorben ist, sprich, es gab bisher überhaupt erst rund 12 Milliarden Menschen, 6 Milliarden von ihnen leben heute noch.

    Ja woran denke ich, wenn ich mir diese Zahlen ansehe: An ein Gewitter, an eine Explosion, die nur von kurzer Dauer ist? Daran, dass jede einzelne Generation für den Fortbestand der Menschheit eben gerade doch von besonderer Bedeutung ist?

    Rund 2500 Menschenleben hätten ausgereicht, um den gesamten Zeitraum der Menschen- geschichte mit zu erleben. Das ist nicht viel. Zumindest nicht unvorstellbar viel.

    Wie wird die Welt sein in einem, fünf, zehn oder fünfzig Menschenleben?

    Wie lange wird es Menschen überhaupt noch geben? Vielleicht 100, vielleicht 40.000 Menschenleben. Irgendetwas dazwischen vielleicht. Wir wissen es nicht und können dennoch davon ausgehen, dass es wohl nicht endlos sein wird.

    Endlich scheint nicht nur unser eigenes Leben zu sein, sondern auch die Geschichte unserer Menschheit.

    Ja, vermutlich ist es so. Ein seltsames Gefühl.